Solarthermie oder Photovoltaik: Was rechnet sich mehr?
Zwei Technologien, zwei Aufgaben
Solarthermie und Photovoltaik sehen auf dem Dach ähnlich aus, machen aber grundverschiedene Dinge: Solarthermie erzeugt Wärme für Warmwasser und Heizungsunterstützung, Photovoltaik erzeugt Strom. Die Frage ist also weniger, welche Technik besser ist, sondern welche zum eigenen Verbrauchsprofil passt.
Wirtschaftlichkeit im Vergleich
Photovoltaik hat in den letzten Jahren wirtschaftlich klar aufgeholt: Die Modulpreise sind stark gefallen, und selbst erzeugter Strom ersetzt teuren Netzstrom. Zudem ist Strom universell nutzbar, für Haushaltsgeräte, Wärmepumpe, E-Auto oder als Einspeisung gegen Vergütung.
Solarthermie punktet bei hohem, konstantem Warmwasserverbrauch, etwa in Familien mit mehreren Personen. Die Anlagen sind kompakter pro erzeugter Kilowattstunde Wärme, aber die Ersparnis hängt am Preis des ersetzten Brennstoffs (Gas, Öl). Überschüssige Wärme im Sommer verfällt ungenutzt, während PV-Überschuss zumindest vergütet wird.
Wie hoch der eigene PV-Überschuss tatsächlich ausfällt, lässt sich mit einem Excel-Tool zur Analyse von Stromverbrauch, Solarertrag und Einspeisung (Werbung/Partnerlink) genauer auswerten, als es eine pauschale Einschätzung erlaubt.
Typische Amortisationszeiten
- Photovoltaik: meist 8 bis 14 Jahre, stark abhängig von Eigenverbrauch und Strompreis. Details im Artikel Photovoltaik Amortisation: Wie lange dauert es?
- Solarthermie: häufig 10 bis 20 Jahre, abhängig von Warmwasserbedarf, Brennstoffpreisen und Förderung. Mit Heizungsunterstützung und BAFA-Förderung kann sich die Rechnung deutlich verbessern.
Wann welche Lösung?
Photovoltaik ist meist die erste Wahl, wenn die Dachfläche begrenzt ist und maximale Flexibilität zählt. Der Strom lässt sich für alles nutzen, auch für die Warmwasserbereitung per Heizstab oder Brauchwasser-Wärmepumpe, was der Solarthermie ihr klassisches Einsatzgebiet streitig macht.
Solarthermie bleibt interessant, wenn ohnehin eine Heizungsmodernisierung ansteht, der Warmwasserverbrauch hoch ist und Fördermittel die Investition drücken. Auch die Kombination beider Systeme auf großen Dächern ist möglich. Wer sich für Solarthermie entscheidet, kann über die Solarthermie-Vermittlung von solaranlagen-portal.com (Werbung/Partnerlink) unverbindlich Angebote von Fachbetrieben einholen.
Für die konkrete Rechnung mit eigenen Zahlen: Solar-Amortisationsrechner nutzen, kostenlos und ohne Registrierung.
Häufige Fragen
Kann ich Solarthermie durch PV plus Heizstab ersetzen?
Technisch ja: PV-Überschuss kann per Heizstab oder Brauchwasser-Wärmepumpe Warmwasser erzeugen. Der Wirkungsgrad der Wärmeerzeugung ist geringer als bei Solarthermie, die Flexibilität des Stroms gleicht das aber oft aus.
Was hält länger?
Beide Systeme erreichen 20 bis 30 Jahre Lebensdauer. Bei Solarthermie können Pumpe und Solarflüssigkeit früher Wartung brauchen, bei PV ist meist der Wechselrichter nach 10 bis 15 Jahren fällig.
Welche Förderung gibt es?
Solarthermie wird über die Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG) bezuschusst, PV profitiert von der Einspeisevergütung und dem Nullsteuersatz bei der Anschaffung. Förderkonditionen ändern sich regelmäßig, vor der Entscheidung aktuelle Sätze prüfen.
Kombination beider Systeme auf großen Dächern

Bei ausreichender Dachfläche schließen sich beide Techniken nicht aus. Ein Teil der Fläche für Solarthermie, der Rest für Photovoltaik, kann sinnvoll sein, wenn sowohl ein hoher Warmwasserbedarf besteht als auch genug Platz für eine wirtschaftlich sinnvolle PV-Anlage übrig bleibt. Aktuelle Fördersätze und Antragsvoraussetzungen für beide Techniken veröffentlicht das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle, der Antrag sollte grundsätzlich vor Beauftragung eines Fachbetriebs gestellt werden.
In der Praxis lohnt sich eine Kombination vor allem bei Neubauten oder größeren Sanierungen, bei denen ohnehin ein Fachbetrieb die Dachfläche komplett neu plant. Wer nachträglich eine zweite Technik ergänzen will, sollte vorab prüfen, ob die vorhandene Statik und Verkabelung das zulässt, das spart spätere Anpassungskosten.
Auch die Ausrichtung spielt bei einer Kombination eine Rolle: Während Photovoltaik von möglichst viel direkter Sonneneinstrahlung über den ganzen Tag profitiert, reicht für Solarthermie oft schon eine etwas kleinere, optimal ausgerichtete Fläche, weil der Wirkungsgrad pro Quadratmeter höher liegt. Eine gemeinsame Planung mit einem Fachbetrieb hilft, die verfügbare Dachfläche sinnvoll zwischen beiden Techniken aufzuteilen, statt eine Lösung nachträglich zu kompromittieren.
Wer sich unsicher ist, sollte sich nicht allein von pauschalen Aussagen leiten lassen, sondern die eigenen Verbrauchsdaten (Warmwasserbedarf, Stromverbrauch, verfügbare Dachfläche) als Ausgangspunkt nehmen. Eine unabhängige Energieberatung kann helfen, die individuell wirtschaftlichste Kombination zu finden, bevor größere Investitionsentscheidungen getroffen werden.