Autogas und der CO2-Preis: Wird LPG wieder attraktiver?

Der Autogas CO2-Preis ist im Vergleich zu Benzin und Diesel schon heute deutlich niedriger, und der Abstand wird in den kommenden Jahren größer statt kleiner. Wer eine Autogas-Umrüstung erwägt, sollte deshalb nicht nur die heutigen Literpreise vergleichen, sondern auch, wie sich die CO2-Bepreisung auf die drei Kraftstoffe unterschiedlich auswirkt. Dieser Artikel ordnet den aktuellen Rechtsstand ein und rechnet vor, was das für die Amortisation einer Umrüstung bedeutet.

Autogas CO2-Preis heute: der Abstand zu Benzin und Diesel

Fahrzeug wird nachts an einer Autogas-Zapfsäule betankt, Symbolbild Autogas CO2-Preis

LPG verursacht mit rund 1,64 kg CO2 pro Liter deutlich weniger Treibhausgas als Benzin (rund 2,37 kg) oder Diesel (rund 2,65 kg). Beim nationalen CO2-Preis von 55 Euro pro Tonne, der für 2026 im gesetzlich vorgegebenen Korridor von 55 bis 65 Euro liegt, schlägt das mit ungefähr 9 Cent CO2-Aufschlag pro Liter Autogas zu Buche. Bei Benzin sind es dagegen etwa 15,5 bis 18,3 Cent pro Liter, bei Diesel sogar 17,5 bis 20,6 Cent, weil beim Verbrennen mehr CO2 pro Liter freigesetzt wird. Der Autogas CO2-Preis liegt damit schon jetzt um mehr als die Hälfte unter dem Aufschlag auf fossilen Kraftstoff. Rechtliche Grundlage ist das Brennstoffemissionshandelsgesetz (BEHG), das den nationalen CO2-Preis und den Preiskorridor für 2026 festlegt.

In absoluten Literpreisen bedeutet das: Autogas kostet aktuell etwa 1,06 bis 1,22 Euro pro Liter, Benzin dagegen 1,75 bis 1,85 Euro. Der reine Kraftstoffpreisvorteil bleibt also weiterhin der Haupttreiber der Autogas-Wirtschaftlichkeit, der Autogas CO2-Preis verstärkt diesen Vorteil zusätzlich, macht ihn aber noch nicht zum entscheidenden Faktor.

Wichtige Korrektur: ETS2 startet 2028, nicht 2027

Viele Prognosen zum Autogas CO2-Preis zitieren eine ADAC-Einschätzung von Anfang 2025, wonach der CO2-Aufschlag im Kraftstoffpreis ab 2027 auf 35 bis 38 Cent pro Liter Benzin und Diesel steigen soll, eine Verdopplung gegenüber dem damaligen Stand. Diese Prognose beruhte auf der Annahme, dass der europäische Emissionshandel für Gebäude und Verkehr (ETS2) zum 1. Januar 2027 startet und den nationalen Festpreis dann durch einen freien Marktpreis ersetzt.

Inzwischen hat die EU diesen Starttermin auf 2028 verschoben. Für 2027 gilt in Deutschland deshalb zunächst weiterhin der nationale CO2-Preis mit einem gesetzlichen Höchstwert von 65 Euro pro Tonne, kein freier ETS2-Marktpreis. Der von vielen Ratgebern noch kolportierte Sprung auf 35 bis 38 Cent pro Liter ist damit für 2027 nicht mehr realistisch, er verschiebt sich um mindestens ein Jahr auf frühestens 2028, wenn der europäische Emissionshandel tatsächlich startet und der Preis dann nicht mehr politisch gedeckelt, sondern am Markt gebildet wird. Wer aktuell im Netz noch Artikel mit „35 Cent mehr ab 2027“ findet, liest damit eine veraltete Zahl auf Basis der ursprünglichen Zeitplanung.

Was das für die Autogas-Amortisation bedeutet

Die Verschiebung ändert nichts an der grundsätzlichen Richtung: Sobald der ETS2 startet, wird der CO2-Preis für Benzin und Diesel voraussichtlich deutlich stärker steigen als für Autogas, weil der niedrigere CO2-Ausstoß von LPG den Aufschlag pro Liter automatisch niedriger hält. Für Fahrzeughalter mit Autogas-Anlage bedeutet das: Der heutige Kostenvorteil gegenüber Benzin wächst mit hoher Wahrscheinlichkeit weiter, nur eben ein bis zwei Jahre später als ursprünglich erwartet. Wer die Autogas-Umrüstung: Kosten und Amortisation durchrechnet, kann die aktuell übliche Amortisationsdauer von etwa zwei bis drei Jahren also eher als konservative Schätzung betrachten, nicht als Worst Case, sobald der europäische CO2-Preis tatsächlich zu greifen beginnt.

Langfristige Prognosen gehen für 2030 von einem CO2-Preis in der Spanne von 120 bis 150 Euro pro Tonne aus, das Kölner Energiewirtschaftliche Institut (EWI) rechnet für 2035 sogar mit rund 205 Euro pro Tonne. Bei diesen Preisniveaus würde sich der heutige Abstand zwischen Autogas CO2-Preis und dem Aufschlag auf Benzin und Diesel weiter vervielfachen, auch wenn Prognosen über einen Zeitraum von zehn Jahren naturgemäß mit erheblicher Unsicherheit behaftet sind.

Fahrzeugbestand: Autogas schrumpft trotz Kostenvorteil

Trotz des günstigen Autogas CO2-Preises und niedrigerer Literpreise ist der Autogas-Fahrzeugbestand in Deutschland zuletzt gesunken: Zum 1. Januar 2026 waren laut Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) noch 284.455 Autogas-Pkw zugelassen, ein Rückgang um rund 15.500 Fahrzeuge bzw. 5,2 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Der Anteil am gesamten Pkw-Bestand liegt konstant bei 0,6 Prozent. Der Rückgang erklärt sich vor allem durch das insgesamt sinkende Angebot an Neuwagen mit werkseitiger Autogas-Vorbereitung und die zunehmende Elektrifizierung von Neuzulassungen, nicht durch mangelnde Wirtschaftlichkeit bestehender Anlagen. Für Halter, die eine Nachrüstung erwägen, verändert der sinkende Gesamtbestand die eigene Kostenrechnung nicht, das Tankstellennetz bleibt in den meisten Regionen dicht genug für den Alltag, siehe dazu der Artikel Autogas-Tankstellennetz: Wie alltagstauglich sind LPG und CNG?.

Fazit: Der Autogas CO2-Preis spricht für Geduld statt Torschlusspanik

Wer aktuell eine Autogas-Umrüstung plant, muss keine Torschlusspanik wegen einer angeblich unmittelbar bevorstehenden CO2-Preis-Explosion haben, die ETS2-Verschiebung auf 2028 verschafft etwas mehr Zeit. Gleichzeitig bleibt die Grundrichtung klar: Der Autogas CO2-Preis wird auch mittelfristig unter dem Aufschlag für Benzin und Diesel liegen, weil der niedrigere spezifische CO2-Ausstoß von LPG das strukturell so vorgibt. Wer jetzt umrüstet, profitiert schon heute vom niedrigeren Literpreis und sichert sich zusätzlich einen wachsenden Kostenvorteil für die kommenden Jahre. Die konkrete Amortisationsrechnung für das eigene Fahrzeug liefert der Autogas-Amortisationsrechner.

Häufige Fragen zum Autogas CO2-Preis

Wie hoch ist der Autogas CO2-Preis aktuell?

Beim nationalen CO2-Preis von 55 Euro pro Tonne (2026) liegt der Aufschlag auf Autogas bei rund 9 Cent pro Liter, deutlich niedriger als bei Benzin (15,5 bis 18,3 Cent) oder Diesel (17,5 bis 20,6 Cent).

Steigt der Autogas CO2-Preis 2027 stark an?

Nein, für 2027 gilt in Deutschland weiterhin der nationale CO2-Preis mit Höchstwert 65 Euro pro Tonne. Der oft zitierte Sprung auf 35 bis 38 Cent pro Liter beruhte auf einem ETS2-Start 2027, der inzwischen auf 2028 verschoben wurde.

Lohnt sich eine Autogas-Umrüstung trotz sinkender Fahrzeugzahlen noch?

Ja, der bundesweite Rückgang der Autogas-Fahrzeuge liegt vor allem am geringeren Neuwagenangebot, nicht an mangelnder Wirtschaftlichkeit. Der Kostenvorteil beim Kraftstoffpreis und beim Autogas CO2-Preis bleibt für bestehende und nachgerüstete Fahrzeuge unverändert bestehen.

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